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Traumatische Blutung – die europäische Sichtweise

  Endlich kam ich dazu einen von Kostja (Kokaiiiin) empfohlenen Artikel zu lesen. Vorwiegend wurden Aspekte zur Diagnose und Therapie der traumatischen Blutung und die europäische Herangehensweise beschrieben. Meine Lernpunkte: Diagnose Standardgerinngunstests Es gibt keine Evidenz, dass PT, aPTT oder INR die Therapie von Blutungen steuern können bzw. Blutungen voraussagen können. Diese sind einerseits ausgelegt für die Messung von Antikoagluanzien und werden andererseits im Plasma bestimmt. Thrombozyten, Erythrozyten und Zellen die den Tissue Factor beherbergen werden also nicht berücksichtigt. Dies sind alles wichtige Komponenten der Blutgerinnung. Die Tests dauern auch relativ lange (80-90 Minuten) und  geben keine Auskunft über Stabilität und Qualität eines Clots.   Viskoelastische Tests (ROTEM, TEG) Scheinen geeigneter zu sein. Sie repräsentieren den gesamten Gerinnungsprozess, bilden hämostatische Defizite genauer ab und sind schneller erhältlich (schon nach einer Durchlaufzeit von 10 Minuten). Behandlungsalgorithmen gibt es ebenfalls. FFP,Thrombozytenkonzentrate und Gerinnungsprodukte   Bei der 1:1:1 (EK:TK:FFP) Gerinnungstherapie beinhaltet das verabreichte Volumen einen Hämatokrit von 29%, die Aktivität von Gerinnungsfaktoren ist bei 60% und die Anzahl der Thrombozyten bei ca. 90.000 /µl. Es muss somit eine …

Gastbeitrag „Atemnot in der Gemeinschaftsdusche“

Wir freuen uns, unseren 1. Gastbeitrag sowie das 1. Fallbeispiel eines spannenden präklinischen Einsatzes auf FOAMina präsentieren zu können. Kostja Steiner, der Autor dieses Beitrages, ist Anästhesist am LKH Graz Süd-West, Standort West und Notarzt.   Beim Einsteigen in´s NEF zaubert die Einsatzmeldung am Display ein durchaus unangebracht süffisantes Lächeln auf mein Gesicht. „Atemnot in der Gemeinschaftsdusche, Pat. Männlich ca. 30a“.   Mal ganz ehrlich, währe es Ihnen anders gegangen?   Die Anfahrt dauert etwa 6 Minuten und schon belehrt uns die Wirklichkeit eines Besseren. In einer maximal engen „Gemeinschaftsdusche gibt es am Gang“-Wohnsituation liegt ein Patient krampfend am Boden. Nicht wirklich positiv für den Patienten spricht das aschfahl-/bläuliche Hautkolorit. Aber auch das reime ich mir erst im Nachhinein zusammen.   Minute 0 Patient, ca 30a liegt krampfend am Boden (man hört die Zähne knirschen). 2 weitere Männer befinden sich im Raum von denen einer nur „Der stirbt“ abwechselnd mit „Aaaaahhhhhh“ von sich gibt und der andere sehr hilfsbereit die Wände der Dusche aushängt um zumindest ein wenig Platz zu schaffen.   Mein erster Gedanke: „ …

Wer kennt Peter Pronovost?

Ich nicht, zumindest nicht bist heute. Ein Kollege hat mich auf einen Fehler von mir aufmerksam gemacht und mir als Begründung den Namen Pronovost gesteckt. Beim Nachlesen und Recherchieren war ich sofort ziemlich fasziniert. Peter Pronovost ist ein amerikanischer Anästhesist und Notfallmediziner an der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore der sich, kurz zusammengefasst, damit beschäftigt, das Gesundheitssystem und Krankenhäuser sicherer für PatientInnen zu machen. 2001 begann er nosokomiale Infektionen zu beobachten und schloss daraus, dass eine simple 5-Punkte-Checkliste die Cava-Kathether-Infektionen massiv sinken lassen könnte: Hände mit Seife waschen Haut der PatientInnen desinfizieren Sterile Abdeckungen über den/ die gesamte Patienten/in legen Sterile Maske, Haube, Mantel und Handschuhe anziehen Sterilen Verband/ Pflaster über das Katheter-Gebiet kleben In seiner „Keystone Initiative“ konnten 2003 in 108 Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen in Michigan die Infektionsraten auf typischen ICUs von 2,7/ 1000 PatientInnen auf 0 bzw. die Katheter-assoziierten Infektionen um 66% gesenkt werden, die Ergebnisse wurden 2006 sogar im New England Journal of Medicine publiziert. In den ersten 18 Monaten dieser Initiative konnten unglaubliche 1500 Leben gerettet und 100 Mio. $ gespart …

Vortrag Neue Medien …

Hier eine kleine Zusammenfassung meines Vortrages von Samstag am AGN-Kongress: Über die Entstehung von FOAM, die Vor- und Nachteile sowie ein paar Links zu den wichtigsten Blogs für mich.   Wir kennen alle die Probleme von klassischer Präsenzlehre wie Vorträgen, Seminaren oder ähnlichem: Wir sind nicht immer gleich gut aufnahmefähig, müde nach Nachtdiensten, haben keine Zeit neben Berufsleben und Familie. Außerdem ist in manchen Fällen die Qualität fragwürdig oder für uns unbefriedigend und für unseren aktuellen Wissensstand inadäquat. Seit ca. 2012 hat sich über das Internet eine Alternative zu klassischen Fortbildungsmöglichkeiten entwickelt: FOAM. Sei es über klassische Social-Media Kanäle wie FB oder Twitter, sei es direkt über Blogs: Der Name ist Programm. FOAM ist grundsätzlich einmal „Much more than educational social Media“. Es ist inzwischen eine gigantische unabhängige Ressource mit Blogs, Podcasts, Tweets, Videos, Hangouts, Grafiken, eigenen Apps etc. Nicht nur zu notfall-, intensivmedizinischen und anästhesiologischen Themen, aber diese Bereiche stellen den Ursprung und immer noch den größten Teil von FOAM dar. FOAM ist ein Werkzeug zum lebenslangen Lernen und inzwischen sogar eine sehr aktive …

Entscheidungen am Lebensende

Nach ein paar wohlverdienten Tagen Pause auf unserem  Blog starten wir mit einem schwierigen Thema ins 2. Jahr von FOAMina (das neben diesem spannenden Artikel noch viele weitere Neuigkeiten bringen wird…): „Who am i to decide wether this person is to die today?“ ist der Titel eines Artikels, über den ich vor einigen Tagen gestolpert bin. In diesem von einem französischen Team um Fassier T. verfassten (und hochrangig im „Annals of Emergency Medicine“ publizierten) Artikel wird mittels semistrukturierter Interviews mit 24 Intensiv- und/ oder NotfallmedizinerInnen und „nonparticipant observations“ versucht, die Vor- und Einstellungen von MedizinerInnen zu Triage und End-of-life Decisions an älteren und kritisch kranken PatientInnen an der Schnittstelle Notaufnahme – Intensivstation zu ergründen. Dieser Artikel beschreibt, dass ärztliche Entscheidungen am Lebensende von Vorurteilen, Kommunikationsproblemen und Heuristiken beeinflusst werden. Sechs Leitthemen traten in den umfangreichen Analysen (324h Beobachtung!) zu Tage, wenige davon möchte ich hier kurz herausgreifen: 1.: Sowohl positive als auch negative Stereotypen von Alter und älteren Personen, die auf eigenen Erfahrungen beruhen beeinflussten die Entscheidungen. So kamen sowohl Bilder von fitten, noch voll im …

Lagerung bei Rapid Sequence Induction

Die Lagerung bei der Rapid Sequence Induction (RSI) ist ein kontroversiell diskutiertes Thema. Argumente für und wider der Oberkörperhoch- bzw. tieflagerung gibt es auf beiden Seiten. Weder in den deutschsprachigen Gesellschaften für Anästhesie und Intensivmedizin noch in den großen nordamerikanischen, europäischen oder australischen Dachverbänden gibt es hierzu Stellungnahmen. Im  deutschsprachigen Raum habe ich 2 Handlungsempfehlungen gefunden: Handlungsempfehlung zur präklinischen Notfallnarkose:  Oberkörper hoch (jedoch ohne nähere Erklärung oder Literaturhinweis) Handlungsempfehlung zur RSI im Kindesalter:  Um optimale Intubations- und Beatmungsbedingungen zu gewährleisten sollten die Patienten in Rückenlage und der Kopf in der Neutralposition gelagert werden. Argumente für die Oberkörperhochlagerung (unterer Ösophagussphinkter ist unter dem Kehlkopf) sind: Vermeidung einer passiven Regurgitation bessere Oxygenierung Argumente für die Oberkörpertieflagerung reduziertes Aspirationsrisiko Argumente gegen die Oberkörperhochlagerung erhöhtes Aspirationsrisiko bei aktivem Erbrechen (hier sofort in Oberkörpertieflagerung bringen) die technisch schwierigeren Intubationsbedingungen werden bei beiden Lagerungen beschrieben. Die Lagerung sollte natürlich den Ausgangsbedingungen (aufgetriebenes Abdomen, kardiorespiratorische Insuffizienzen etc. ) angepasst werden. Einer Umfrage zu Folge werden die meisten Patienten zur RSI in Oberkörperhochlagerung positioniert. Ein weiteres interessantes Detail  ist, dass es bezüglich der …