Allgemein, Anästhesie, Ausbildung, FOAM, Fortbildung, Notfallmedizin
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Wer kennt Peter Pronovost?

Ich nicht, zumindest nicht bist heute. Ein Kollege hat mich auf einen Fehler von mir aufmerksam gemacht und mir als Begründung den Namen Pronovost gesteckt. Beim Nachlesen und Recherchieren war ich sofort ziemlich fasziniert.

Peter Pronovost ist ein amerikanischer Anästhesist und Notfallmediziner an der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore der sich, kurz zusammengefasst, damit beschäftigt, das Gesundheitssystem und Krankenhäuser sicherer für PatientInnen zu machen.

2001 begann er nosokomiale Infektionen zu beobachten und schloss daraus, dass eine simple 5-Punkte-Checkliste die Cava-Kathether-Infektionen massiv sinken lassen könnte:

  1. Hände mit Seife waschen
  2. Haut der PatientInnen desinfizieren
  3. Sterile Abdeckungen über den/ die gesamte Patienten/in legen
  4. Sterile Maske, Haube, Mantel und Handschuhe anziehen
  5. Sterilen Verband/ Pflaster über das Katheter-Gebiet kleben

In seiner „Keystone Initiative“ konnten 2003 in 108 Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen in Michigan die Infektionsraten auf typischen ICUs von 2,7/ 1000 PatientInnen auf 0 bzw. die Katheter-assoziierten Infektionen um 66% gesenkt werden, die Ergebnisse wurden 2006 sogar im New England Journal of Medicine publiziert. In den ersten 18 Monaten dieser Initiative konnten unglaubliche 1500 Leben gerettet und 100 Mio. $ gespart werden.

Ein paar einfache Gründe erklären für Pronovost warum so einfache „Checklist Protocols“ nicht weiter verbreitet sind. So lassen sich Ärztinnen nicht gerne überwachen und so zum Einhalten von Checklisten drängen. Zusätzlich wollen sie standardisierte Aufgaben und Bürokratie vermeiden. und, für mich – auch im Hinblick auf die „Sexy Topic“-Problematik in unserem FOAM-Universum besonders wichtig: ForscherInnen (und natürlich auch die „KonsumentInnen“ dieser Forschung) haben ihren Fokus auf ganz andere Gebiete als Krankheits-Biologie, Hygiene etc.

Ein schönes Zitat von Pronovost, dass vieles auf den Punkt bringt und wieder einmal bestätigt wie wichtig die ständige Fortbildung unter Zuhilfenahme von allen Möglichkeiten die sich uns bieten, das ständige Besserwerden und das andauernde Ausschauhalten nach neuen, besseren Behandlungsmethoden, Arbeitsweisen und Therapien ist.

„The fundamental problem with the quality of American medicine is that we’ve failed to view delivery of health care as a science. The tasks of medical science fall into three buckets. One is understanding disease biology. One is finding effective therapies. And one is ensuring those therapies are delivered effectively. That third bucket has been almost totally ignored by research funders, government, and academia. It’s viewed as the art of medicine. That’s a mistake, a huge mistake. And from a taxpayer’s perspective it’s outrageous.“

Meine Conclusio: Einfache Methoden können doch einiges verändern. Checklisten sind gerade im Bereich der Anästhesie und Notfallmedizin unglaublich wichtig und auf keinen Fall ein Zeichen von Schwäche, fehlendem Können oder Ähnlichem, sondern sind hochprofessionell. Und: Mit Peter Pronovost werde ich mich sicher noch eingehender beschäftigen!

 

Quellen:

Gawande, Atul (December 2007). „The Checklist, If something so simple can transform intensive care, what else can it do?“p. 86

Pronovost P, Needham D, Berenholtz S, et al. (December 2006). „An intervention to decrease catheter-related bloodstream infections in the ICU“. N. Engl. J. Med. 355 (26): 2725–32. doi:10.1056/NEJMoa061115

https://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Pronovost#cite_ref-14

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