Autor: flo

Faszienblöcke: Back to the Basics.

Die Grundmechanismen der Faszienblöcke scheinen noch nicht ganz geklärt zu sein: Durch einen Tweet von Dr. Amid Pawa, (Regional)-Anästhesist aus London, bin ich kürzlich auf eine Arbeit von ihm gestoßen, in der die Grundlagen (und vor allem Wissenslücken!)  interfaszialer Blöcke beschrieben worden sind. Lucky me! Look who I got to work with this year…. https://t.co/a9plci8CZY @kaohesham @EMARIANOMD in @RAPMOnline – #FascialPlaneBlocks #TwitterCollaborations — Dr Amit Pawa (@amit_pawa) March 21, 2018 Um was gehts? Durch den Einsatz von Ultraschall in der Regionalanästhesie entwickelten sich in den letzten Jahren immer wieder neue Anwendungsmöglichkeiten und es scheint, als werden in regelmäßigen Abständen neue Blöcke „erfunden“. Ob TAP (Transverus Abdominis Plane Block), einer seiner Ableger (subcostaler TAP), PECS Block oder Quadratus Lumborum Block: Interfasziale Blöcke sind am Kommen und mit ihnen die Möglichkeit die Bauch- oder Thoraxwand sensibel zu blockieren. Im Körper gibt es ja 3 Arten von Faszien: oberflächliche, tiefe und Muskelfaszien. Die tiefen Faszien sind Ziel der Faszienblöcke und stellen einen potentiell vorhandenen Raum dar, in dem Nerven verlaufen und durch Lokalanästhetika (LA) blockiert werden können. Allerdings warnen die Autoren …

Intraossärer Zugang: S1-Leitlinie.

Kürzlich wurde eine S1- Leitlinie vom Wissenschaftlichen Arbeitskreis Notfallmedizin (WAKN) und Kinderanästhesie (WAKKA) der DGAI mit Unterstützung der DIVI veröffentlicht. Darauf gestoßen bin ich dankenswerterweise durch Michael Bernhard von news-papers.eu. Ich habe die für mich relevanten und interessanten Punkte herausgearbeitet: Anatomische und physiologische Grundlagen der intraossären Punktion. Der venöse Abfluss der intraossären Punktionsstellen sieht folgendermaßen aus: proximale Tibia: V. poplitea distale Tibia: V. saphena Humerus: V. axillaris Der mittlere Blutdruckdruck innerhalb der Markhöhle liegt bei ca. 20-30 mmHg (also ca. 1/3 des systemischen MAP). Dies erklärt, warum eine Druckinfusion notwendig ist um eine ausreichend hohe Durchflussrate zu gewährleisten. Ebenso empfohlen wird daher, 5-10 ml Kochsalzlösung nach einer Bolusgabe nachzuspritzen. Medikamentenverabreichnung. Es können so gut wie alle Medikamente verabreicht werden (inkl. Katecholamine, Fibrinolytika, Blutprodukte). Einschränkungen gibt es bei hypertonen bzw. stark alkalischen Lösungen (z.B. hypertone Kochsalzösung, NaBi). Hier gibt es eine Assoziation mit lokalen Infektionen, Osteomyelitiden und Weichteilnekrosen. Druckinfusion. Damit kann man die Durchflussrate erheblich steigern (auf bis zu 165 ml/min). Den Druckbeutel auf ca. 300 mmmHg aufpumpen und auf Paravasate achten. Bei einem (vorausgesetzt man weiß …

Komplikationen: Human factors in der Anästhesie

To err is human – irren ist menschlich. Alle wissen es, keiner will es zugeben. Wer hat es noch nicht erlebt: Missverstandene Kommunikation führt zu einer unbeabsichtigten Verabreichung eines Medikamentes. Ein möglicher Fehler wird verschwiegen, weil die heutige Oberärztin schlecht gelaunt ist und man sich ihrer Tadelung nicht vor der gesamten Mannschaft aussetzen will. Oder man legt den ZVK jetzt nicht ultraschall-gezielt, weil man es nicht so gut kann, müde ist, noch nichts gegessen hat oder endlich ins Bett will. Dies sind alles Situationen, die unter dem Nenner „human factors“ fallen und mit dem sich Jones et al. im Review Artikel: „Human factors in preventing complications in anaesthesia“ auseinandersetzen.   Wie man sieht: Sich irren kann schnell gehen. Oder hättest du dir gedacht, dass Feld A und B dieselbe Farbe besitzen? Faszinierend oder? Sogar in einer stressfreien Umgebung (wie hier vor deinem Computer) fällt der menschliche Geist auf Illusionen rein. Was passiert dann erst mit uns in einer Stresssituation? Abhängig von Organisations-/Umgebungs- und persönlichen Bedingungen kann unsere Leistung besser oder schlechter sein. Mittlerweile weiß man, …

Vermeidung von Atemwegskomplikationen

Prof. Cook verfasste einen schönen Artikel zu dem Thema  “Strategies for the prevention of airway complications – a narrative review“ If you are going to read a singular airway article this year, this is it. Excellent review @doctimcook Relevant to all a/w clinicians Strategies for the prevention of airway complications – a narrative review https://t.co/Jw1d3WQbbC — Dr. Laura Duggan (@drlauraduggan) December 15, 2017 Hab‘ ich gemacht und die für mich interessantesten Punkte herausgearbeitet. Wie z.B. diese hier: Die anästhesiebezogene Mortalität ist in den letzten 20 Jahren um das 10 fache gefallen (3.6/10,000 vor 1970 auf 0.3/10,000 nach 1990). NAP 4 berichtete von einem atemwegsbezogenen Tod oder Hirnschaden in 7 von 1 Million Anästhesien. Die Ergebnisse von NAP 4 wurden ebenfalls besprochen (und sind immer wieder lesenswert). In Togo beträgt die 24 Stunden-Mortalität nach einer Operation 2.6% (93% wären vermeidbar). RCT haben nur einen geringen Wert bzgl. seltenen Atemwegskomplikationen (ausführliche Erklärung im Artikel-sehr interessant!). Es können oft gemeinsame Themen, die zu Atemwegszwischenfällen führen, identifiziert werden. Vor allem die Punkte 3-5 kommen mir sehr bekannt vor.  Siehe Abbildung: Ein …

Warum uns Fehler weiterbringen. Das Blackbox Prinzip.

Der Sommer ist da und somit auch die Urlaubszeit. Für alle, die noch nach einer interessanten und lehrreichen Freizeitlektüre suchen: „Das Blackbox Prinzip“ von Matthew Syed ist definitiv ein Buch, das ich weiterempfehlen kann und ich mir gewünscht hätte es schon früher gelesen zu haben. Kevin Fong und Martin Bromiley haben diese Thematik in ihren #dasSMACC Vorträgen ebenfalls angesprochen. 

in situ Simulation: low fidelity Tipps & Tricks

  Seit geraumer Zeit führen Kostja und ich an unserer Abteilung in situ Simulationstrainings durch. Ich bin wirklich stolz, dass dieses Training einerseits auf positives Feedback stößt und andererseits auch meiner Meinung nach qualitativ ziemlich gut ist. Hier mal ein großes Dankeschön an alle Teilnehmenden, UnterstützerInnen und Kostja (meinem kongenialen Sim-Partner). Ebenso hilfreich war der SMACCDub Workshop zur in situ Simulation! Eine Zusammenfassung gibt’s hier. Im Laufe der Zeit sind uns ein paar nützliche Tricks eingefallen, wie man diese Simulationstrainings Stück für Stück realistischer und besser machen kann (dabei aber finanziell wenig Aufwand hat). Low fideilty sozusagen. Diese möchte ich mit euch teilen. Vielleicht ist ja was für den einen oder anderen dabei. Wir sind in der glücklichen Lage eines der besten Videolaryngoskope verwenden zu dürfen. Neben den üblichen evidenced-based Vorteilen, kann man damit auch, jetzt kommt’s, Videos aufnehmen 😉 Sollte man somit mal auf einen schwierigen Atemweg stoßen, eine Atemwegsanomalie etc.  (weiß man ja vorher fast nie) kann man diese aufnehmen und für Vorträge verwenden oder eben den Teilnehmenden eine schwierige Intubation, Aspiration etc. …

Wenn nichts mehr geht – der chirurgische Atemweg

Der unerwartet schwierige Atemweg ist ein absolutes Horroszenario. Falls die ersten Ebenen zur Atemwegssicherung (Maskenbeatmung, supraglottischer Atemweg, endotracheale Intubation) fehlschlagen, bleibt als Ultima Ratio nur mehr der translaryngeale Zugang.  Gott sei Dank ist dies lt. den S1-Atemwegsleitlinien der DGAI sehr selten der Fall (die Wahrscheinlichkeit liegt bei 0,008% (1:13.000) bis 0,004% (1:25.000)). Es ist also durchaus denkbar, dass man während seiner gesamten Karriere nie in diese Situation kommt. Dennoch sollte man als Notfallmediziner und Anästhesist im Stande sein, ein „cannot intubate – cannot oxygenate“ (CICO) Szenario zu managen. Wenn man sich so die verschiedenen Leitlinien durchsieht, gibt es zwar viele Möglichkeiten einer Atemwegssicherung auf Kehlkopfebene, aber gerade weil dieser Umstand so selten eintritt und die Misserfolgsrate mit bis zu über 50% sehr hoch ist, ist es ratsam sich eine einzige Methode anzueignen und diese regelmäßig zu üben. In den deutschen und österreichischen Arbeiten der ÖGARI und DGAI werden folgende Möglichkeiten der chirurgischen Atemwegssicherung genannt: Notfallstracheotomie Nachteil: ausreichend chirurgische Erfahrung notwendig (HNO). Translaryngeale/transtracheale Oxygenierung und Ventilation durch Platzierung von dünnen Kanülen Nachteile: kleines Lumen: Oxygenierung nur im Sinne …