Anästhesie, Atemweg, Notfallmedizin
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Smartphones, Apps & chirurgischer Atemweg.

Eigentlich ziemlich cool und innovativ: Gewisse Prozeduren, wie eine Koniotomie  sind ja sehr selten und somit weiß man eigentlich nicht genau,welche Technik nun wirklich die beste ist, woran sie scheitern, welche Umstände zum Erfolg beitragen etc..
Mit der Allgegenwärtigkeit von Smartphones und Internet kam man nun auf die Idee, diese seltenen Prozeduren weltweit zu sammeln (wodurch höhere Fallzahlen zustande kommen) und deren Daten zu analysieren.

„By combining the experiences of many, we can assist other clinicians in future decision making for individual patients.“

The Airway App ist so eine Applikation. Sie sammelt Daten von eFONA (emergency Front Of Neck Access) und Wachintubationen.
Die Ergebnisse der ersten 18 Monaten zu eFONAs wurden dieses Jahr publiziert:

  • Insgesamt wurden 99 Fälle aus 21 Ländern (Österreich und die Schweiz waren nicht dabei, aus Deutschland kamen 2 Fälle) analysiert
  • 81 Fälle wurden von nicht-Chirurgen durchgeführt, am öftesten von Anästhesisten
  • Die häufigste Indikation waren CICO-Szenarien (cannot intubate, cannot oxygenate), gefolgt von Atemwegsverlegungen
  • Die Skalpell-Finger-Bougie Technik wurde am öftesten durchgeführt und war auch die, mit dem besten First-Pass Success. Als „Rescue-technique“ wurde sie in 10/10 Fällen erfolgreich verwendet (die offene chirurgische Tracheotomie in 5/5 Fällen).
  • Die Nadelkoniotomie, in den australischen und neuseeländischen Guidelines als gleichwertige Alternative empfohlen, wurde 8x verwendet.
  • Als positive Human Factors wurden berichtet: gute Kommunikation, gutes Teamwork, gut geschultes Personal und ein „shared mental model“
  • Negative Einflüsse waren hingegen: Fixationsfehler, Verzögerung beim Einleiten von einem eFONA, „failure to plan for failure“ und multiple Intubationsversuche
    • In 47 Fällen wurde 1 oder 2 Versuche unternommen, 3 in 23 und mehr als 5 in 13 Fällen.
  • In 11 Fällen wurde ein Patient sediert/narkotisiert, wenn eine Wachintubation indiziert gewesen wäre.

Sicher gibt es, wie überall, auch hier mögliche Kritikpunkte, (Erinnerungslücken beim Berichten, gefälschte Berichte etc.) aber wir finden dieses Thema und die ersten Daten durchaus spannend und sehen viel Potenzial in dieser Innovation.
Ich wünsche zwar keinem ein solches Szenario, aber falls man dennoch vor dieser Herausforderung steht: mach mit und teile deine Erfahrungen!

http://www.airwaycollaboration.org/

FOAMINA-Link: Koniotomie

Literatur:

  • Duggan et al. The Airway App : exploring the role of smartphone technology to capture emergency frontof-neck airway experiences internationally. Anaesthesia 2018, 73, 703–710
    doi:10.1111/anae.14247

 

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