Letzte Beiträge

Traumatischer Herzkreislaufstillstand

Die ERC Leitlinien 2015 bringen bezüglich des traumatischen Herzkreislaufstillstandes (traumatic cardia arrest, TCA) einige Änderungen und einen speziellen Algorithmus.

Im Großen und Ganzen geht es darum, Weiterlesen

Krikoiddruck

Drücken oder nicht drücken? Eigentlich gibt es relativ klare Aussagen dazu.
In den kürzlich publizierten S1-Leitlinien „Prähospitale Notfallnarkose beim Erwachsenen“ der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin wurde folgendes Statement dazu abgegeben (1) : Weiterlesen

Aktuelle CPR- und Eis-Studien

Drei sehr spannende Studien habe ich in den letzten Tagen gefunden, zwei davon rund um den Themenkomplex CPR. Ein kurzer Blick darauf lohnt sich:

  1. Am Karolinska Institut am Center for Resuscitation Science unter Ingela Hasselqvist-Ax, R.N. et al wurde aus mehr als 30 000 präklinischen Reanimationen im Zeitraum 1990 bis Ende 2011 analysiert, bei wie vielen bereits vor Eintreffen der Rettungskräfte eine Laien-CPR durchgeführt wurde und wie diese das Outcome beeinflusst. Das Ergebnis ist erwartbar, in seiner Deutlichkeit aber doch überraschend für mich: „CPR performed before EMS arrival was associated with a 30-day survival rate after an out-of-hospital cardiac arrest that was more than twice as high as that associated with no CPR before EMS arrival.“ Eine doppelt so hohe Überlebensrate bei so einer großen Studienpopulation – das ist schon beachtlich! Und zeigt uns auch in Hinblick auf den European Restart-a-Heart-Day Mitte Oktober dass wir unsere Bemühungen für eine höhere Bereitschaft der Bevölkerung zur CPR noch intensivieren müssen!
  2. Ebenfalls vom Karolinksa Institut vom Center for Resuscitation Science aber von einer anderen Forschungsgruppe kommt in der zweiten Arbeit ein auch nicht ganz neuer Ansatz, der aber trotzdem schön belegt, wo uns moderne Technologien noch unterstützen können werden: Fast 6000 Freiwillige in Stockholm wurden von April 2012 bis Dezember 2013 in Reanimation geschult und dann mit ihrem Handy in ein Ortungssystem der Leitstelle aufgenommen. Ging in der Leitstelle ein Notruf ein, bei dem ein Herzkreislaufstillstand vermutet wurde, wurden registrierte „LebensretterInnen“, die sich im Umkreis von 500m um den Ort des Notfalles befanden als First Responder zusätzlich zu professioneller Rettung verständigt – und siehe da: Innerhalb von eineinhalb Jahren erhöhte sich in Stockholm die Rate der Reanimationen mit Laien-CPR von 47,8% auf 61,6%! Inzwischen nehmen mehr als 10 000 BürgerInnen am Projekt „SMSlivräddare“ teil. Absolut beeindruckende Zahlen und ein tolles Projekt, das praktisch überall – in städtischen wie ländlichen Gegenden – rasch und einfach umzusetzen wäre!
  3. Und jetzt die wirklich interessante Studie: Zierz et al. von der Uniklinik Halle/ Saale versuchten – passend zum schön langsam ausklingenden Rekordsommer dem „Brain Freeze“-Effekt beim Eisessen auf die Spur zu kommen. Sensationelle Ergebnisse: Beim Brain-Freeze (oder auch Eiscreme-Kopfschmerz) treten, ähnlich wie bei Migräne, Veränderungen des Blutflusses im Gehirn auf (nämlich eine Verstärkung!), 4 Grad kaltes Wasser löst den Schmerz eher aus als ein Eiswürfel, Kinder kennen diesen Schmerz eher und – das ist wirklich spannend – es konnte erstmals eine familiäre, evtl. genetische Neigung und Veranlagung dazu gezeigt werden!

Literatur:

  1. Early Cardiopulmonary Resuscitation in Out-of-Hospital Cardiac Arrest. Ingela Hasselqvist-Ax, R.N. N Engl J Med 2015; 372:2307-2315 June 11, 2015.
  2. Mobile-Phone Dispatch of Laypersons for CPR in Out-of-Hospital Cardiac Arrest. Mattias Ringh, M.D. N Engl J Med 2015; 372:2316-2325 June 11, 2015.
  3. http://www.medizin.uni-halle.de/index.php?id=2882&tx_ttnews%5Btt_news%5D=5347&cHash=4b4a4c52e6912ed3c73e739a64a8caa4

PONV Guidelines – Erwachsene

Kürzlich betreute ich eine Patientin die bisher nach jeder ihrer Narkosen erbrochen hat. Dies hat mich veranlasst ein wenig über PONV zu recherchieren und bin dabei auf  Leitlinien aus dem Jahr 2014 gestoßen. Hier eine kleine Zusammenfassung. Weiterlesen

Sommer, Sonne, Badewetter – Update Ertrinkungsunfälle….

In der aktuellen Ausgabe der AINS gibt es eine übersichtliche Zusammenfassung der Behandlung des Ertrinkungsunfalls – passend zum aktuellen Hochsommer. In den Medien lesen wir ja im Moment leider mehrmals pro Woche von Ertrunkenen aller Altersgruppen… Aus diesem Anlass lohnt es sich, die ERC-Guidelines zu diesem Thema (Kapitel 8: CPR unter besonderen Umständen) durchzulesen, ein paar besonders interessante und wichtige Facts haben wir hier herausgearbeitet.

Die ERC-Guideline betonen, dass Ertrinken eine der häufigsten unfallbedingten Todesursachen ist – in der Altersgruppe von 5-14 Jahren sogar die häufigste Todesursache, insgesamt sind jedoch 50% der Opfer älter als 50 Jahre. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Die alten Definitionen und Unterscheidungen wie zB „Beinahe-Ertrinken“, Ertrinkungsunfall in Süß-/ Salzwasser werden nicht mehr verwendet – sobald eine Submersion oder Immersion in eine Flüssigkeit „die das Luftholen verhindert“ stattfindet, spricht man von einem Ertrinkungsunfall.

Die Therapie der oder des Verunfallten besteht aus vier Phasen, die ineinander übergreifen:

  • Rettung (Eigenschutz!!)
  • Basismaßnahmen (BLS, frühe Beatmung!!)
  • ALS
  • Reanimationsnachsorge

Da der Kreislaufstillstand in der überwiegenden Zahl der Fälle hypoxisch bedingt ist, wird in den ERC-Guidelines sowie Sekundärliteratur auf die Wichtigkeit einer frühen Atemspende (evtl noch im Wasser) hingewiesen: „Die erste und wichtigste Therapiemaßnahme bei Ertrinkungsopfern ist die Verminderung der Hypoxämie“ empfehlen die ERC-Guidelines. Sprich: As soon as possible 5 initiale Beatmungen, am Besten mit hochkonzentriertem O2.

Auch immer wichtig: Aufpassen bei einer eventuellen Defibrillation – 1. muss der nasse Körper vorher abgetrocknet werden und 2. soll unter 30 Grad Körperkerntemperatur nur 3mal geschockt werden. Auch die Medikamentengabe verändert sich bei niedrigerer Körperkerntemperatur: Unter 30 Grad sollten keine Medikas verabreicht werden, zwischen 30 und 35 Grad Körperkerntemperatur im doppelten Zeitintervall da die Verstoffwechselung verlangsamt ist.

Apropos Temperatur: Grundsätzlich ist ein (vor allem rasches) Auskühlen des/ der Verunfallten nicht schlecht, der Sauerstoffbedarf sinkt pro Grad Auskühlen um ca. 8%. Bei PatientInnen bei Bewusstsein sollte jedoch ein weiteres Auskühlen unbedingt verhindert werden.

Im Update-Artikel in meinem Lieblings-Journal AINS wird auch schön auf die wichtigen Aspekte für die Behandlung von Überlebenden auf der Intensivstation eingegangen: Die Kombination aus aspiriertem Wasser, Auswaschung von Surfactant und Permeabilitätsstörung in der Lunge kann sich klinisch in folgenden Krankheitsbildern zeigen:

  • Lungenödem
  • Diffusionsstörungen
  • Bildung von Atelektasen
  • Bronchospasmus
  • Reduktion der Compliance der Lunge
  • etc.

Auch wenn die Datenlage dünn ist empfiehlt sich eine lungenprotektive Beatmung ähnlich der beim ARDS.

Literatur:

  1. Struden MS et al. Update Ertrinkungsunfall – Präklinische und klinische Therapiestrategien. Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2015; 50(07/08): 462-469 

     

  2. Soar J et al. Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen: Elektrolytstörungen, Vergiftungen, Ertrinken, Unterkühlung, Hitzekrankheit, Asthma, Anaphylaxie, Herzchirurgie, Trauma, Schwangerschaft, Stromunfall. Notfall + Rettungsmedizin November 2010, Volume 13, Issue 7, pp 679-722

 

 

Die Zukunft der Reanimation: E-CPR?

In der größten Anzahl der Fälle von CPR an Erwachsenen ist das Herz selbst das geschädigte Organ, das den Herz-Kreislauf-Stillstand auslöst. Der aktuelle Ansatz der Reanimation – nämlich das bereits geschädigte Herz mit allen Mitteln (pharmakologisch, mechanisch und physikalisch/ elektrisch) wieder zum Schlagen zu animieren – weist also durchaus Schwächen auf.

Die rezent publizierte CHEER-Studie von Stub D. et al. aus Melbourne (CPR, Hypothermia, ECMO & early Reperfussion) zeigt nun erstmals prospektive Daten der möglichen Weiterentwicklung der Reanimation: Der Ergänzung der „klassischen“ Reanimation um eine ECMO (extra-corporale Membranoxygenierung) um das Herz „zu entlasten“. Der kombinierte Einsatz der o. g. Verfahren zeigte beeindruckende Ergebnisse: 54% der PatientInnen (45% bei „out of hospital“-Reanimation – 60% bei CPR im Krankenhaus) wurden aus dem Krankenhaus überlebend entlassen, niemand der Überlenden zeigte ein neurologisches Defizit – das sind beeindruckende Zahlen. Natürlich gibt es noch gravierende Einschränkungen in dieser Studie: Die Paramedics und MedizinerInnen in Melbourne waren extrem flott – so vergingen zB im Median nur 40 min vom Kollaps bis zur ECMO (die Ergebnisse sind also wahrscheinlich nur auf urbane Regionen umlegbar), außerdem war die eingeschlossene Gruppe von 26 PatientInnen ziemlich klein.

Trotzdem: Es wird mit dieser prospektiven Arbeit ein Benefit einer möglichen Weiterentwicklung der CPR mit neuen, viel invasiveren Ansätzen gezeigt. Wir können gespannt sein, was sich da in den nächsten Jahren weiterentwickelt: Extracorporeal Membrane Oxygenation (ECMO), Extracorporeal Life Support (ECLS) und Cardiopulmonary Support (CPS) werden uns da als Therapien sicher noch öfter begegnen…

Spannende Updates zu diesem Thema gibts natürlich wieder einmal von Scott Weingart et al. in ihrem Blog Edecmo.org, hier werden zB auch sehr anschaulich Grundlagen und Ablauf erklärt. Details zum CHEER-Trial gibts auf The Bottom Line (genaue Zahlen, Ablauf etc.).

 

Quelle: Stub D, Bernard S, Pellegrino V et al.
Refractory cardiac arrest treated with mechanical CPR, hypothermia, ECMO and early reperfusion (the CHEER trial). Resuscitation Oct 2 2014.

Steiler, leichter, schneller: die Videolaryngoskopie

Zumindest für Anfänger.

Steiler: Anfänger denen die Intubation anhand der Videolaryngoskopie (VL) beigebracht wurde (Instruktor schaut auf den Bildschirm und gibt Feedback an den Intubateur), haben eine steilere Lernkurven als jene die mit der direkten Laryngoskopie (DL) beginnen. Weiterlesen

Therapeutische Hypothermie bei Kindern verbesserte Outcome nicht

Diese Studie fand heraus, dass es keinen Unterschied bezüglich neurologischem Outcome von Kindern nach Herzkreislaufstillstand gab, die entweder mit therapeutischer Hypothermie oder Normothermie behandelt wurden.

Hier ein paar kurze Eckdaten:

  • Studiendesign: einfach verblindete, randomisiert kontrollierte Multicenter-Studie (36 Krankenhäuser in den USA, 2 in Kanada)
  • Population: 295 Kinder im Alter von 2 Tagen bis 18 Jahren, die 6 Stunden nach ROSC komatös geblieben sind.
  • Intervention: therapeutische Hypothermie (33°) vs. therapeutische Normothermie (36,8°) für 120 Stunden.
  • Outcome: Nach 12 Monaten überlebten 38% in der Hypothermiegruppe vs. 29% in der Normothermiegruppe  mit einem VABS-II Score ≤ 70 (kein signifikanter Unterschied).

Diese Studie hat somit weder bewiesen, dass therapeutische Hypothermie schädlich oder nicht von Vorteil ist.

 

Literatur:

1. Moler FW et al., Therapeutic hypothermia after out-of-hospital cardiac arrest in children, N Engl J Med. 2015 May 14;372(20):1898-908

 

Präoxygenierung


Hier ist die Zusammenfassung der Empfehlungen des Artikels „Preoxygenation and Prevention of Desaturation During Emergency Airway Management“. Definitv ein „must-read Paper“ von Scott Weingart (emcrit.org) und Richard Levitan (airwaycam.com). Ich kann nur jedem ans Herz legen, sich den ganzen Artikel durchzulesen-auch die Hintergründe sind interessant! Weiterlesen