Allgemein, CPR, Notfallmedizin, Präklinik
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Aktuelle CPR- und Eis-Studien

Drei sehr spannende Studien habe ich in den letzten Tagen gefunden, zwei davon rund um den Themenkomplex CPR. Ein kurzer Blick darauf lohnt sich:

  1. Am Karolinska Institut am Center for Resuscitation Science unter Ingela Hasselqvist-Ax, R.N. et al wurde aus mehr als 30 000 präklinischen Reanimationen im Zeitraum 1990 bis Ende 2011 analysiert, bei wie vielen bereits vor Eintreffen der Rettungskräfte eine Laien-CPR durchgeführt wurde und wie diese das Outcome beeinflusst. Das Ergebnis ist erwartbar, in seiner Deutlichkeit aber doch überraschend für mich: „CPR performed before EMS arrival was associated with a 30-day survival rate after an out-of-hospital cardiac arrest that was more than twice as high as that associated with no CPR before EMS arrival.“ Eine doppelt so hohe Überlebensrate bei so einer großen Studienpopulation – das ist schon beachtlich! Und zeigt uns auch in Hinblick auf den European Restart-a-Heart-Day Mitte Oktober dass wir unsere Bemühungen für eine höhere Bereitschaft der Bevölkerung zur CPR noch intensivieren müssen!
  2. Ebenfalls vom Karolinksa Institut vom Center for Resuscitation Science aber von einer anderen Forschungsgruppe kommt in der zweiten Arbeit ein auch nicht ganz neuer Ansatz, der aber trotzdem schön belegt, wo uns moderne Technologien noch unterstützen können werden: Fast 6000 Freiwillige in Stockholm wurden von April 2012 bis Dezember 2013 in Reanimation geschult und dann mit ihrem Handy in ein Ortungssystem der Leitstelle aufgenommen. Ging in der Leitstelle ein Notruf ein, bei dem ein Herzkreislaufstillstand vermutet wurde, wurden registrierte „LebensretterInnen“, die sich im Umkreis von 500m um den Ort des Notfalles befanden als First Responder zusätzlich zu professioneller Rettung verständigt – und siehe da: Innerhalb von eineinhalb Jahren erhöhte sich in Stockholm die Rate der Reanimationen mit Laien-CPR von 47,8% auf 61,6%! Inzwischen nehmen mehr als 10 000 BürgerInnen am Projekt „SMSlivräddare“ teil. Absolut beeindruckende Zahlen und ein tolles Projekt, das praktisch überall – in städtischen wie ländlichen Gegenden – rasch und einfach umzusetzen wäre!
  3. Und jetzt die wirklich interessante Studie: Zierz et al. von der Uniklinik Halle/ Saale versuchten – passend zum schön langsam ausklingenden Rekordsommer dem „Brain Freeze“-Effekt beim Eisessen auf die Spur zu kommen. Sensationelle Ergebnisse: Beim Brain-Freeze (oder auch Eiscreme-Kopfschmerz) treten, ähnlich wie bei Migräne, Veränderungen des Blutflusses im Gehirn auf (nämlich eine Verstärkung!), 4 Grad kaltes Wasser löst den Schmerz eher aus als ein Eiswürfel, Kinder kennen diesen Schmerz eher und – das ist wirklich spannend – es konnte erstmals eine familiäre, evtl. genetische Neigung und Veranlagung dazu gezeigt werden!

Literatur:

  1. Early Cardiopulmonary Resuscitation in Out-of-Hospital Cardiac Arrest. Ingela Hasselqvist-Ax, R.N. N Engl J Med 2015; 372:2307-2315 June 11, 2015.
  2. Mobile-Phone Dispatch of Laypersons for CPR in Out-of-Hospital Cardiac Arrest. Mattias Ringh, M.D. N Engl J Med 2015; 372:2316-2325 June 11, 2015.
  3. http://www.medizin.uni-halle.de/index.php?id=2882&tx_ttnews%5Btt_news%5D=5347&cHash=4b4a4c52e6912ed3c73e739a64a8caa4
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