Autor: flo

Anisotropie

Der Nervus ischiadicus ist der größte Nerv des Menschen und dennoch kann es Schwierigkeiten bereiten ihn im Ultraschall darzustellen.  Mitursache dafür ist die Anisotropie. Anisotropie bedeutet, dass sich die Ultraschallwellen von Strukturen (in diesem Fall Nerven) nicht in alle Richtungen gleich ausbreiten. Als Konsequenz daraus lassen sich diese Strukturen besser oder eben schlechter darstellen.       Alle Nerven (oder auch Sehnen) sind vom Phänomen der Anisotropie betroffen. Der Nervus ischiadicus (oder auch der n. medianus) hiervon besonders stark. Die Strukturen sind dann am besten sichtbar wenn der Schall im orthograden (90°)-Winkel auf eine Oberfläche trifft. In diesem Winkel ist die Reflexion der Ultraschallwellen am stärksten. Schon winzige Veränderungen können einen Nerv „unsichtbar“ machen. Die Anisotropie wird verstärkt, wenn viele gekrümmte Oberflächen vorhanden sind oder wenn das Organ aus zahlreichen Schichten besteht, die nicht parallel verlaufen. Hierdurch werden die Schallwellen stärker abgelenkt-die betreffende Struktur erscheint echoarm oder sogar echolos.   Zur verbesserten (kontrastreicheren) Darstellung muss man den Schallkopf vorsichtig und langsam kippen. Anisotropie ist unvermeidlich. Gerade deswegen ist es wichtig über diese Eigenschaft Bescheid zu wissen um das richtige Handling des Schallkopfes zu lernen.   …

Magensonden legen leicht gemacht!

Hin und wieder will es einfach nicht funktionieren. Auch solche, großteils einfachen Prozeduren wie eine Magensonde am intubierten Patienten zu legen, kann mitunter Schwierigkeiten bereiten. Das letzte Mal als ich partout eine Magensonde nicht korrekt positionieren konnte, zeigte mir ein Oberarzt folgenden genialen – weil simplen – Trick: Einfach einen Endotrachealtubus als Schiene für die Magensonde verwenden! Utensilien: Magensonde Laryngoskop Gleitmittel Schere Tubus (je größer umso leichter rutscht die Magensonde durch. 7-8 passt meistens) Schritt 1: Konnektor für den Beatmungsbeutel vom Tubus entfernen Schritt 2: Tubus längs durchtrennen Schritt 3: Tubus und Magensonde mit Gleitmittel eingelen Schritt 4: in den Ösophagus intubieren (macht man ja angeblich hin und wieder) Schritt 5: Magensonde über den Tubus schieben Schritt 6: korrekte Position verifizieren Schritt 7: Magensonde bleibt, Tubus seitlich lösen und entfernen     Die Kollegen von Scancrit haben diese Methode ebenfalls schon mal beschrieben und anscheinend wurde sie auch schon publiziert (100%ige Erfolgsrate): Kwon OS,Cho GC,Jo CH,Cho YS. Endotracheal tube-assisted orogastric tube insertion in intubated patients in an ED.Am J Emerg Med. 2015 Feb;33(2):177-80. Link Viel Spaß beim Ausprobieren! …

Traumatische Blutung – die europäische Sichtweise

  Endlich kam ich dazu einen von Kostja (Kokaiiiin) empfohlenen Artikel zu lesen. Vorwiegend wurden Aspekte zur Diagnose und Therapie der traumatischen Blutung und die europäische Herangehensweise beschrieben. Meine Lernpunkte: Diagnose Standardgerinngunstests Es gibt keine Evidenz, dass PT, aPTT oder INR die Therapie von Blutungen steuern können bzw. Blutungen voraussagen können. Diese sind einerseits ausgelegt für die Messung von Antikoagluanzien und werden andererseits im Plasma bestimmt. Thrombozyten, Erythrozyten und Zellen die den Tissue Factor beherbergen werden also nicht berücksichtigt. Dies sind alles wichtige Komponenten der Blutgerinnung. Die Tests dauern auch relativ lange (80-90 Minuten) und  geben keine Auskunft über Stabilität und Qualität eines Clots.   Viskoelastische Tests (ROTEM, TEG) Scheinen geeigneter zu sein. Sie repräsentieren den gesamten Gerinnungsprozess, bilden hämostatische Defizite genauer ab und sind schneller erhältlich (schon nach einer Durchlaufzeit von 10 Minuten). Behandlungsalgorithmen gibt es ebenfalls. FFP,Thrombozytenkonzentrate und Gerinnungsprodukte   Bei der 1:1:1 (EK:TK:FFP) Gerinnungstherapie beinhaltet das verabreichte Volumen einen Hämatokrit von 29%, die Aktivität von Gerinnungsfaktoren ist bei 60% und die Anzahl der Thrombozyten bei ca. 90.000 /µl. Es muss somit eine …

in situ simulation Workshop #smaccDUB

For the English version please scroll down. Ich sitze gerade am Dubliner Flughafen und versuche ein paar Gedanken/take home points bezüglich des in situ simulation Workshops, den ich mit meinem Freund Martin besucht habe, zusammenzufassen.Ich muss zugeben, dass es wirklich einer der besten Workshops war, an denen ich bis jetzt teilgenommen habe. Wenn ich darüber nachdenke, warum das so war, kommen mir drei Gründe in den Sinn: 

Nebenlufttest, Postextubationsstridor und Kortikosteroide

Nach einer schwierigen Intubation und Manipulation der Atemwege stellen sich vor der Extubation unter anderem diese 2 Fragen: Muss ich mit einem Postextubationsstridor (PES) rechnen? Soll ich Kortikosteroide verabreichen? Die S1-Leitlinien Atemwegsmanagement geben hierzu folgende Empfehlungen (1): zu Punkt 1: Einerseits kann man mit Hilfe eines Videolaryngoskops den supraglottischen Bereich begutachten um die Ursache zu entdecken. Dies kann bei der Therapieentscheidung helfen. (Ein Bronchoskop funktioniert sicher auch). Andererseits kann man den sogenannten Nebenlufttest (NLT) = (Cuff leak test-CLT ) durchführen: Hierbei wird der Tubus des noch intubierten und beatmeten Patienten entblockt. Ist danach die Differenz aus in-und exspiratorischem Volumen über 6 Atemhübe im Mittel größer als 110 ml ist das Risiko eines klinisch relevanten Larynxödems gering (2). Durchführung (Link) : Vor dem NLT endotracheales und orales Sekret absaugen Beatmungsgerät auf einen volumen- (oder druckkontrollierten) Modus stellen In- und exspiratorische Volumina notieren um zu sehen ob diese gleich sind (Cuff ist noch geblockt) Cuff entblocken Über die ersten 6 Atemzüge das Exspirationsvolumen notieren (das exspiratorischen Atemvolumen erreicht einen Plateauwert nach wenigen Zyklen) den Mittelwert der 3 niedrigsten Werte herannehmen inspiratorisches …

Ausbildung in einer 48-Stunden-Woche?

oder: „Is quantity any substitute for quality?“ Das neue Arbeitszeitgesetz sieht vor, dass Ärzte ab 2021 durchschnittlich 48 Stunden pro Woche arbeiten, eine Opt-Out Möglichkeit  ist ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr vorgesehen. Aber können Ärzte in einer 48-Stunden-Woche gut genug ausgebildet werden? Hierzu hilft vielleicht ein Blick auf unsere Kollegen auf der Insel. Im Jahre 2009 mussten sich Mediziner in Großbritanien einer ähnlichen Herausforderung stellen. In diesem Artikel wird eine Pro – Con Debatte über eine Verkürzung der Arbeitszeit in Hinblick auf die Qualität der Ausbildung (und somit schlussendlich Qualität der Patientenversorgung) geführt. Pro: In einem Review  („time for training“) aus dem Jahr 2010 kommt Professor Sir John Temple (britischer Chirurg und ehemaliger Vorsitzender des Royal College of Surgeons of Edinburgh) zu dem Schluss, dass hochqualitative Ausbildung in einer 48-Stunden-Woche stattfinden kann, allerdings gibt es gewisse Hindernisse wie schlechte Supervision, limitierten Zugang zu Lernmöglichkeiten (begrenzte Patientenzahlen für bestimmte Prozeduren, begrenzte Zahl an Ausbildnern aber auch begrenzte Plätze zB in Skill-Centers) und dem Umstand, dass die meisten Auszubildenden auch eine große Rolle außerhalb der Routinearbeitszeiten – sprich in …