Allgemein, Anästhesie, ICU, Leitlinie
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Consensus Statement zum Timing einer elektiven Operation nach SARS-CoV-2-Infektion

Mit Fortschreiten der Corona-Pandemie und größerer Anzahl an Erkrankten und glücklicherweise  wieder Genesenen stellt sich zunehmend die Frage ab welchem Zeitpunkt eine elektive OP sicher und sinnvoll ist und auf welche Besonderheiten Acht zu geben ist. 

Hierzu gibt es ein multidisziplinäres Consensus Statement der Association of Anaesthetists, the Centre for Peri‐operative Care, the Federation of Surgical Specialty Associations, the Royal College of Anaesthetists and the Royal College of Surgeons of England. (1)

Auch zu diesem Thema erwähnens- und empfehlenswert ist der hervorragende Podcast ACCRAC von Jed Wolpaw. 

Folgende Empfehlungen wurden getroffen: 

  1. Shared decision‐making regarding timing of surgery after SARS‐CoV‐2 infection between patient and multidisciplinary clinical teams must consider: severity of the initial infection; ongoing symptoms of COVID‐19; comorbid and functional status, both before and after SARS‐CoV‐2 infection; clinical priority and risk of disease progression; and complexity of surgery.
  1. Planned surgery should not be considered during the period that a patient may be infectious: 10 days after mild/moderate disease and 15–20 days after severe disease. For patients who are severely immunosuppressed (online Supporting Information Appendix S1), which may include patients treated with dexamethasone or monoclonal antibodies for severe COVID‐19, specialist advice should be sought. If emergency surgery is required during this period, full transmission‐based precautions should be undertaken for the protection of staff.

  2. Surgery within 7 weeks of SARS‐CoV‐2 infection is associated with increased morbidity and mortality. Elective surgery should not be scheduled within 7 weeks of a diagnosis of SARS‐CoV‐2 infection, unless outweighed by the risk of deferring surgery such as disease progression or clinical priority.
  1. Most patients infected with SARS‐CoV‐2 have either transient or asymptomatic disease and require no additional precautions beyond a 7‐week delay, but those who have persistent symptoms or have been hospitalised require special attention.
  1. Patients with persistent symptoms of COVID‐19 are at increased risk of postoperative morbidity and mortality even after 7 weeks. Therefore, delaying surgery beyond this point should be considered, balancing this risk against their risk of disease progression and clinical priority. Specialist assessment and personalised, multidisciplinary peri‐operative management is required.
  1. The time before surgery should be used for functional assessment, rehabilitation from severe illness, prehabilitation and multidisciplinary optimisation.
  1. Vaccination several weeks before surgery will reduce risk to patients and might lessen the risk of nosocomial SARS‐CoV‐2 infection of other patients and staff. National vaccine committees should consider whether such patients can be prioritised for vaccination.
  1. As a result of the increased risk of morbidity and mortality of peri‐operative COVID‐19, precautions to prevent admission of patients who are incubating SARS‐CoV‐2 and infection within the hospital should continue.
  1. These recommendations are based on evidence available at the time of writing and may be subject to future review.

Prävention einer perioperativen SARS-CoV-2 Infektion

Natürlich ist es essentiell, dass Patienten weder mit einer sich in Inkubation befindlichen Infektion ins Krankenhaus kommen, noch, dass sich Patienten sich bei uns im Krankenhaus anstecken.

Deswegen wird empfohlen: 

  • Risikopatienten ein paar Wochen vorher zu impfen (siehe dazu nationale Impfstrategie)
  • Patienten sollen sich in Selbstisolation (für einen Zeitraum, der die Inkubationszeit überschreitet) begeben
  • Bekannte Maßnahmen wie Maskentragen, Händedesinfektion, social distancing etc. einhalten
  • Screening des Krankenhauspersonals
  • Trennung (örtlich, behandelndes Personal) von PCR negativen Patienten und Positiven bzw. Verdachtsfällen
  • Dauer des Krankenhausaufenthaltes so kurz wie möglich gestalten

Zeitpunkt der elektiven Operation nach SARS-CoV-2-Infektion.

Eine elektive Operation nach einer SARS-CoV-2-Infektion muss für das Personal, andere Patienten und die Gesellschaft sicher sein. 

Phasen von Covid-19.: 

Nahezu 5% aller Patienten haben auch 8 Wochen der Erkrankung noch Symptome. Bei Hospitalisierten ist diese Zahl sogar noch höher. Wie wir mittlerweile wissen kann die Lungenfunktion nach einer mittelschweren oder schweren COVID-19-Infektion für mehrere Monate gestört bleiben. 

Daher ist das perioperative Risiko, im Vergleich zu asymptomatischen Patienten, bei Symptomen erhöht. Verglichen mit Patienten die keine SARS-Cov-2 Infektion hatten, ist die 30-Tage Mortalität innerhalb der ersten 6 Wochen erhöht. Allerdings war das Mortalitätsrisiko ≥ 7 Wochen nach der Diagnose einer SARS-CoV-2-Infektion wieder ähnlich wie bei denjenigen, die nie eine SARS-CoV-2-Infektion hatten. Daher kommt auch die Empfehlung Nr. 3. 

Die 30 Tage Mortalität ist erhöht bei Patienten die Symptome haben und hatten (verglichen zu Asymptomatischen – auch nach 7 Wochen). 

Bei Patienten, die auf der Intensivstation waren, muss man besonders berücksichtigen, dass viele eventuell noch unter den Folgeerscheinungen leiden und körperlich noch nicht wieder rehabilitiert sind. Diese Patienten wurden höchstwahrscheinlich mit immunsupprimierenden Substanzen wie Dexamethason oder monoklonalen Antikörpern (z. B. Tocilizumab oder Sarilumab) behandelt und befinden sich somit an der Schwelle zur Definition einer schweren Immunsuppression. Diese Patienten einem sollten in multidisziplinären Teams (inklusive Immunologen) besprochen werden. 

Komorbiditäten werden wie üblicherweise mitberücksichtigt und beeinflussen den Zeitpunkt einer Operation. Sollte eine OP aufgeschoben werden, kann die zusätzliche Zeit für die Prähabilitation genutzt werden. Dies ist vor allem für Patienten die auf einer ICU waren und noch weiterhin körperlich eingeschränkt sind, relevant. 

Praxisrelevant ist auch folgende Infobox:

Die Definitionen der jeweiligen Prioritäten gibt’s hier

Interessant auch der die Tablle dazu von ACCRAC.

Anästhesieverfahren

Zur Zeit gibt es noch zu wenig Evidenz (speziell bezogen auf SARS Cov-2) , dass ein anästhesiologisches Verfahren einem anderen überlegen ist. Wahrscheinlich ist es, wie bei anderen respiratorischen Erkrankungen so, dass die Vermeidung einer Vollnarkose Vorteile bietet. 

Wie immer gilt: Leitlinie am Besten selbst durchlesen 😉

Literatur und Abbildungen:

  1. El‐Boghdadly, K., Cook, T.M., Goodacre, T., Kua, J., Blake, L., Denmark, S., McNally, S., Mercer, N., Moonesinghe, S.R. and Summerton, D.J. (2021), SARS‐CoV‐2 infection, COVID‐19 and timing of elective surgery. Anaesthesia. https://doi.org/10.1111/anae.15464

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