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Entscheidungen am Lebensende

Nach ein paar wohlverdienten Tagen Pause auf unserem  Blog starten wir mit einem schwierigen Thema ins 2. Jahr von FOAMina (das neben diesem spannenden Artikel noch viele weitere Neuigkeiten bringen wird…): „Who am i to decide wether this person is to die today?“ ist der Titel eines Artikels, über den ich vor einigen Tagen gestolpert bin. In diesem von einem französischen Team um Fassier T. verfassten (und hochrangig im „Annals of Emergency Medicine“ publizierten) Artikel wird mittels semistrukturierter Interviews mit 24 Intensiv- und/ oder NotfallmedizinerInnen und „nonparticipant observations“ versucht, die Vor- und Einstellungen von MedizinerInnen zu Triage und End-of-life Decisions an älteren und kritisch kranken PatientInnen an der Schnittstelle Notaufnahme – Intensivstation zu ergründen. Dieser Artikel beschreibt, dass ärztliche Entscheidungen am Lebensende von Vorurteilen, Kommunikationsproblemen und Heuristiken beeinflusst werden. Sechs Leitthemen traten in den umfangreichen Analysen (324h Beobachtung!) zu Tage, wenige davon möchte ich hier kurz herausgreifen: 1.: Sowohl positive als auch negative Stereotypen von Alter und älteren Personen, die auf eigenen Erfahrungen beruhen beeinflussten die Entscheidungen. So kamen sowohl Bilder von fitten, noch voll im …

Warum wir wider besserer Evidenz trotzdem anders handeln….

Am Beispiel des viel zu oft angeordneten und abgenommenen präoperativen Blutbilds (jaja, das kennen wir in der Anästhesie nur zu gut: 18jährige, unauffällige PatientInnen, bei denen die gesamte Gerinnung analysiert wurde…) beleuchtet dieser aktuelle Artikel von Brateanu A et al. im „Cleveland Clinic Journal of Medicine“ warum wir oft gegen bessere Evidenz handeln. Ein paar Aspekte dieses sehr spannenden und unser Lernen auf einer Art Metaebene reflektierenden und kritisierenden Artikels möchte ich herausgreifen. 1.: Das kennen wir nur zu gut: es ist viel schwieriger, althergebrachtes Handeln, Abläufe etc. über Bord zu werfen („to discontinue“ schreiben die Autoren sehr passend) als neues zu implementieren. Das gilt nicht nur für die Medizin, aber bei uns ist das besonders ausgeprägt (Stichwort: „Eminenz-based Medicine“). 2.: Die Komplexität und die Anzahl der Guidelines und Empfehlungen hat in den letzten Jahren massiv zugenommen – unsere Zeit, diese zu lesen, jedoch nicht. So hat beispielsweise die Anzahl der References in der ACC/ AHA- Executive Summary zu den Perioperative Guidelines von 96 im Jahr 2002 auf 252 im Jahr 2014 massiv zugenommen. Daraus …