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DIY Ultraschall Trainer

Eine häufige Frage: „Wie kann man junge Kollegen in die Grundlagen des Ultraschalles einführen?“. An der Uni lernt man genauestens die physikalischen Grundlagen, Bildentstehung ect. Trifft man aber im klinischen Alltag auf motivierte KollegInnen ist es relativ aufwendig etwas praktischer zu werden. Vor dem ersten „Nadel-PatientInnen-Kontakt“ sollten einige Grundlagen beherrscht werden –  durch bloßes Zusehen kann man diese jedoch nicht erlernen.

Wie war das in meinem Fall?  In den ersten Tagen des Turnus habe ich begonnen einfach einmal den Schallkopf „wo drauf zu halten“. Daraus entstand dann mein hausmeisterlicher Zugang zur Ultraschall gestützten Venenpunktion. Im Nachhinein betrachtet also die Variante wie vor 50 Jahren, einfach probieren. Oder wie ich persönlich gelegentlich zynisch anmerke: „Das ist die Lernkurve, da muss der Patient durch“.

Seit dem hat sich einiges entwickelt, sich die Technik verbessert, und auch die Welt hat sich ein kleines Stück gedreht. Sogar eingefleischte Anästhesie Pfleger sind begeistert wenn die Arterie beim ersten Versuch sitzt, „obwohl es immer auch ,ohne´ gegangen ist.“

Weltweit poppen die Lehrunterlagen nur so auf, die FOAM Gemeinschaft postet was das Zeug hält, Ultraschall ist in aller Munde. Doch wie beginnt man nun? Meiner Meinung nach bedarf es zweierlei:

  1. Kenntnis der Anatomie
  2. Technik der Nadel – Auge Koordination

Klingt sehr nach Thieme Lehrbuch, ist aber in der Praxis tatsächlich so. Man sollte wissen was in der betreffenden Region liegt, um seinen Blick zu schärfen. Beispiel gefällig? Durch den Ultraschall kann man in der Cubita Venen erreichen, die man normalerweise niemals palpieren könnte. Coole Sache. Aber da gibt es auch den N.medianus! Man erkennt nur, was man kennt.

Für das Erlernen der Anatomie gibt es unzählige Angebote, dazu bedarf es keiner weiteren Erklärungen. Wesentlich schwieriger ist das Erlernen der Auge-Nadel Koordination. Ich habe mir etliche Male den Kopf zerbrochen, wie man das am besten lehren und lernen könnte. Natürlich gibt es im Handel unzählige Gelkissen (tw. Extrem teuer), etliche Anleitungen für DIY Ultraschall Trainer und auch einige Rezepte um sich selbst ein Gelkissen zu basteln. E.g.:

„Maiskuchen“ als Punktionsblock

1300ml Wasser

78g Maisstärke

65g Gelatine

„Maisstärke und Gelatine separat in kaltem Wasser anrühren. Dann zuerst die Maisstärke in heißes Wasser einrühren, anschließend die Gelatine zugeben, lange kochen und rühren.“

Das haben wir einige Male gemacht, und man erhält einen gelatineartigen Block der im US tatsächlich relativ echt aussieht. Wir haben dann Mithilfe dünner (Holz-) Wattestäbchen Stücke von Infusionsbestecken durchgezogen. Damit erhält man eine Art Gefäß als Zielstruktur. Nachteil dieser Methode ist, dass es relativ lange vorbereitet werden muss (Anrühren der Masse, abgießen und dann über Nacht härten lassen). Die Blöcke verbrauchen sich auch relativ schnell, sodass man mit einem Block maximal etwa 2h üben kann. Dann ist er „durch“.

Pro Tipp hierzu: 2 Redons oder Schläuche von Infusionsbestecken überkreuzt durchziehen und mit Wasser vorfüllen. Zum Üben ein Lochtuch über den Gelblock geben, dann sieht man nicht, wie die Schläuche verlaufen.

Die Herstellung der Masse ist geruchsmäßig etwas anspruchsvoll (gekochte Gelatine), ich empfehle eine Personal Küche in einem abgelegenen Trakt. Als Formen haben sich Suppenschüsseln bewährt, wie sie oft in Kantinen ausgegeben werden. Die kann man auch anschließend in die Waschstraße einschleusen. Als Trennmittel könnte man Silikon Spray verwenden.

Entschließt man sich dazu, solch einen Gelblock herzustellen, empfehle ich gleich mindestens die doppelte Masse zu machen und die Sache groß aufzuziehen.

Im Gespräch 1:1 hat man viel weniger Möglichkeiten zu erklären wie die Sache funktioniert. So ist mir letztens eine Idee gekommen, die ich euch nicht vorenthalten will.

Instant US Trainer

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Diesen Trainer kann man innerhalb von 5 Minuten herstellen. Man benötigt:

  • Plastikschälchen (e.g. Aus einen Wundversorgungs Kit – Wanne für das Desinfektionsmittel)
  • Plastiksackerl ( in diesem Falle Sack „Patienteneigentum“)
  • 2 Gegenstände die mit Wasser füllbar sind und als Zielstruktur dienen
  • Wasser
  • Wasserdichte Unterlage

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Man gibt die „Zielstrukturen“, in diesem Beispiel 2 Aufziehkanülen in die Plastikschale. Für den Anfang empfiehlt es sich sie mit etwas Klebeband zu fixieren. Dann füllt man das Ganze mit Wasser – nicht ganz voll. Plastiksackerl drüber und umschlagen – Fertig.

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Das Sackerl dient als Trennschicht. Ultraschall Gel drauf und mit dem Schallkopf andrücken, sodass zwischen Schallkopf und Wasser keine Luft mehr ist. Auf diese Weise kann man sehr gut üben die Strukturen zu erkennen und sie richtig einzustellen. In einem 2. Schritt kann man natürlich auch versuchen sie mit einer Nadel zu treffen und auch die Darstellung der Nadel gut üben. Das Set ist zwar nach ein paar Punktionen hin, aber es zahlt sich aus, da der Aufwand sehr gering ist.

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Hat man erst einmal heraus, wie man die Nadelspitze tatsächlich findet und wie man das US Bild mit seiner Hand koordiniert, ist die erste Vene bald getroffen. Und kann man erst einmal Venen sicher treffen, ist der Weg zum „Nicht-Treffen“ eines Nervs schon geebnet.

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...ein Steirer der mit der Fackel des Lichtes gen Kärnten zog...

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